Die Geschichte des Dartsports

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In diesem Artikel wollen wir die Entstehung und Entwicklung der Sportart Darts näher beleuchten. Dabei Beginnen wir bei den allerersten Anfängen und blicken bis in die heutige Zeit.

Die Ursprünge

Wie Darts genau entstand, ist unklar. Die Wurzeln reichen jedenfalls bis in die Zeit von vor 400.000 Jahren zurück. Damals wurden erstmals Wurfspeere verwendet, die damit die ältesten bekannten pfeilähnlichen Waffen sind. 30.000 v. Chr. entwickelten sich dann Pfeil und Bogen. Die ersten Gegenstände die augenscheinliche Ähnlichkeit mit dem heutigen Sportgerät hatten, entstanden wahrscheinlich vor knapp 2500 Jahren. Abgebrochene Speer- und Pfeilspitzen wurden auf Baumscheiben, die als Ziele dienten, geworfen. Das Training wurde „daroth“, „daruth“ oder „darte“ genannt. Die Römer besaßen kleine Wurfpfeile, die „Plumbata“, welche dem Kriegseinsatz dienten. Ob der Dartpfeil seinen Ursprung wirklich zu jener Zeit hatte ist wissenschaftlich nicht zweifelsfrei belegt. Manche sehen diesen auch „erst“ bei den Kelten im 1. Jahrhundert. Das Darts ehemals das Geschick und die Zielgenauigkeit im Kampf trainieren sollte, steht allerdings außer Frage.

Plumbata
Leo Decristoforo / CC-by-sa 3.0/de (bearbeitet, zur Quelle)

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Plumbata
Leo Decristoforo / CC-by-sa 3.0/de (bearbeitet, zur Quelle)

Die Franzosen setzten später bei ihren Schlachten abermals Wurfpfeile als Waffe ein. Diese nannten sich „Darts“. Zum Zeitvertreib warf man diese auf Scheiben. Erstmalig diente Darts nicht mehr dem Kriegerischen, sondern war zum Hobby geworden. Vor allem in Frankreich war dieses sehr beliebt, aber auch in Großbritannien hörte man mehr und mehr davon. Angeblich schenkte Anne Boleyn um 1530 ihrem Mann, König Heinrich VIII., einen Satz jener Pfeile. Am Königshause angekommen, sollte das Darten in ganz England immer mehr an Popularität gewinnen.

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Heinrich VIII. und seine zweite Ehefrau Anne Boleyn

Auf dem Weg zur "echten" Sportart

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Heinrich VIII. und seine zweite Ehefrau Anne Boleyn

Ab 1860 entwickelte sich Darts dann hin zu einer richtigen Sportart. Eine solche verlangt natürlich genaue Regeln. Um einen Abwurfpunkt zu finden, stapelte man, der Legende nach, Bierkisten hintereinander. Daher kommt wohl auch der willkürlich wirkende Abstand zur Scheibe, von 2,37 Metern. Die angesprochenen Bierkisten stammten angeblich von der Firma „S. Hockey and Sons“ aus dem Südwesten Englands. Der Theorie nach soll sich aus dem „Hockey“ des Firmennamens das Wort „Oche“, also die heutige Bezeichnung für die Abwurflinie, entwickelt haben.

Die Entstehung erster Dartboards

Doch wie entwickelten sich eigentlich die Dartboards? Früher benutze man als Zielscheiben Baumscheiben oder Fassböden. Man hat den Schwierigkeitsgrad beim Spielen erhöht, indem man nicht nur die Scheibe, sondern besondere Abschnitte zu treffen versuchte. Die Jahresringe der Bäume sind wohl der Grund dafür, dass wir heute Doppel- und Triplefelder, sowie den Bull’s Ring und das Bull’s Eye haben. Durch Risse im Holz entwickelten sich zusätzlich wohl die heutigen Zwanzigstel, also die Punktesegmente 1-20. Eine andere Theorie besagt, dass Wagenräder und deren Speichen als Vorlage dienten. Im Jahr 1896 ordnete der Zimmermann Brian Gamlin diese Felder jedenfalls so an, wie wir sie heute noch kennen. Ausschlaggebend bei seiner Wahl war wohl auch, dass er Gerüchten zu Folge als Schausteller umherzog und durch die „gemeine“ Anordnung, hohe neben niedrigen Zahlen, Glückswürfe seltener machen konnte. Trotz der Tatsache, dass man die Felder in mehr als 120 Billiarden Varianten verteilen kann, gilt Gamlins Einteilung immer noch als nahezu perfekt, da die Punkte gleichmäßig auf der Scheibe verteilt sind.

Moderne und professionelle Dartboards bestehen heute aus Sisal, einer Agaven-Faser, Kork oder Papier gehören weitestgehend der Vergangenheit an. Und auch das Drahtnetz, die sogenannte Spinne, das die Segmente von einander abgrenzt, hat sich mit der Zeit dahingehend verbessert, dass es immer dünner geworden ist.

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Eine Holzscheibe und eine heute übliche Dartscheibe mit bekannter Einteilung
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Zeichnung eines Holzpfeils mit Truthahnfedern als Flights

Weiterentwicklung und ansteigende Popularität

Zur Stabilisierung der Darts auf ihrer Flugbahn dienten zunächst Truthahnfedern, bis ein Amerikaner 1898 die ersten Papier-Flights entwickelte. Die erste bekannte Anzeige für Dartboards veröffentlichte 1901 der „Stationer, Printer and Fancy Trades Register“.

In Großbritannien war Darts zu einem massentauglichen und populären Zeitvertreib geworden, so wundert es nicht, dass Anfang des 20. Jahrhunderts dort die ersten Wettbewerbe in der neuen Sportart stattfanden. Dass damals schon drei Würfe eine Aufnahme bildeten, geht aus den Meldungen einer Lokalzeitung aus Lancaster hervor. Diese meldete 1902 die ersten 180er, die nur mit drei Pfeilen den Maximalwert bilden und zu erzielen sind. Bis dato war das Dartbarrel aus Holz. Dies sollte sich 1906 ändern, als in Yorkshire erstmals Metall als Herstellungsmaterial genutzt wurde. Die sogenannten Brass-Darts, die wie der Name erahnen lässt, aus Messing bestehen, sollten ab den 30er Jahren den Holzpfeil vollständig ablösen und lange bevorzugt bleiben.

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Hope and Anchor Darts Club, London um 1925

Darts in einem Londoner Pub, 1937

Der harte Weg zur Akzeptanz

Vollständige Akzeptanz erfuhr der Dartsport damals allerdings noch nicht. Da dieser als Glückspiel galt, durfte man ihn nicht in der Öffentlichkeit, also auch nicht in den Pubs betreiben. Genauso wenig durfte natürlich darauf gewettet werden. Da die Britten aber bekanntlich besonders gerne und auf alles Mögliche setzen, lies Jim Garside in seinem Wirtshaus in Leeds, dem „Adelphi Inn“ genau dies zu. Sein Spiel fliegt auf und er landet 1908 vor Gericht. Dort behauptet Garside, dass Darts nichts mit Glück, sondern mit Können zu tun habe. Um dies zu beweisen lässt er seinen Freund und zugleich besten Spieler der Umgebung William „Bigfoot“ Anakin seine Fähigkeiten unter Beweis stellen. Dieser trifft dreimal die einfache Zwanzig. Als der Gerichtsdiener ihm dies nachzutun versucht, trifft er lediglich mit einem Pfeil überhaupt die Scheibe. Zur weiteren Verdeutlichung wirft Anakin alle drei Darts in die Doppel-Zwanzig. Die Richter sind so beeindruckt, dass sie richtigerweise feststellen: „This is no game of chance“ (Dies ist kein Glücksspiel).

Dieses Urteil begünstigte und beschleunigte die Verbreitung von Darts auf der Insel. 1937 sollte der Sport einen neuen Meilenstein erfahren. 300.000 Menschen nahmen an den Londoner Stadtmeisterschaften, dem teilnehmerreichsten Turnier aller Zeiten, teil und Königin Elizabeth höchstpersönlich eröffnete den Wettbewerb mit einem Wurf auf das Board.

Neue Materialien für den Sport

Um 1960 herum werden die Darts erneut verändert. Das Problem an Messing ist dessen geringe Dichte, was die Pfeile so breit machte, dass man sie auf dem Dartboard kaum eng beieinander platzieren konnte. Abhilfe lieferte das Metall Wolfram (engl.: Tungsten). Erstmals konnten schlanke aber dennoch nicht zu leichte Darts hergestellt werden. Die Averages stiegen enorm und machten den Sport noch attraktiver. Heute gibt es zwar noch Brass-Darts zu kaufen, für ambitionierte Spieler oder Profis stellen diese aber keinen Ersatz dar.

1970 war mit dem „News of the World Turnier“ erstmals Darts im englischen Fernsehen zu verfolgen und acht Jahre später startete die BBC die Weltmeisterschaft im TV zu übertragen. Dies sorgte dafür, dass sich der Sport in den 80er Jahren auf seinem Zenit befand. Die Spieler waren Stars von großer Bekanntheit und einige konnten von ihrem Sport den Lebensunterhalt finanzieren.

Ein Beispiel für einen modernen hightech Tungsten-Dart: Der Michael van Gerwen Original. Mehr über diesen erfährst Du hier.

Die dunkle Phase

Allerdings war es damals noch gestattet auf der Bühne Alkohol und Tabak zu konsumieren, wie es auch in den Pubs üblich war. Teilweise sah man also völlig betrunkene Akteure, die kaum noch die Kontrolle über sich selbst hatten. „Not the Nine O’Clock News“, eine Comedy Sendung, die Anfang der 80er Jahre auf BBC2 zu sehen war und in der unter anderem Rowan Atkinson (Mr. Bean) mitwirkte, veröffentlichte einen sehr berühmten Sketch, der sich über eben dieses Phänomen lustig machte. In der Gesellschaft litt das Image des Sports unter dieser „Unprofessionalität“ und viele Sponsoren wendeten sich ab. Darts hatte ein Stückweit an Faszination verloren. Bald war die Weltmeisterschaft das letzte verbliebene Turnier, welches im Fernsehen zu verfolgen war. Auch das Verbot von Alkohol 1989 reichte den ehemaligen Sponsoren nicht, um wieder mit dem Sport für sich werben zu wollen.

Die Einnahmen vieler Profis reichten nun nicht mehr, um davon leben zu können, weshalb die 16 besten Dartsspieler, unter ihnen Phil Taylor, Dennis Priestley, Eric Bristow, Jocky Wilson und Rod Harrington, 1992 beschlossen, ihren eigenen Verband, den World Darts Council (WDC), zu gründen. Ziel war es durch eine besondere Öffentlichkeitsarbeit das Image wieder zu verbessern und Geldgeber zu gewinnen. Und dies sollte mit Hilfe des Senders Sky Sports gelingen, der bereits in der Anfangszeit drei WDC-Turniere im Jahr zeigte. Der British Darts Organisation gefiel dies zunächst einmal gar nicht und die Spieler des Konkurrenz-Verbands wurden für alle Wettbewerbe der World Darts Federation (WDF) gesperrt. Diese klagten dagegen und außergerichtlich konnte sich 1997 darauf geeinigt werden, dass beide Verbände parallel bestehen und die WDF als weiterer Dachverband fungieren darf. Die WDC änderte ihren Namen und heißt seit jeher Professional Darts Corporation (PDC). Bei dem beschriebenen Ereignis spricht man vom sogenannten „Darts Split“.

Beliebtheit über Großbritannien hinaus

Rob Cross beim Walk-on beim German Darts Grand Prix 2017

Sven Mandel / CC-BY-SA-4.0 (zur Quelle)

Heute steht wieder der Sport im Fokus. Die PDC ist der Verband mit den großen Namen, bei dem es um einiges mehr an Geld geht und der am prestigeträchtigsten ist. Spricht man von der Darts-WM meint man im Allgemeinen die der PDC, welche während des Jahreswechsels im Alexandra Palace in London stattfindet. Im Januar trägt die BDO dann in Frimley Green ihre Weltmeisterschaft aus. Besonders ist, dass auch ein gesonderter Frauenwettbewerb bei diesem Verband existiert.

Zum ersten Mal war Darts in Deutschland 2004 im Fernsehen zu sehen. Das Deutsche Sportfernsehen (DSF, heute Sport1) und deren Kommentator Elmar Paulke berichteten damals noch aus der Circus Tavern in Essex und wagten damit ein Experiment. Denn wie der Sport hierzulande aufgenommen werden wird, war überhaupt nicht klar. Heute ist es das: Darts erzielt Traumquoten und der Sport boomt. Die ersten Deutschen mischen in der Weltspitze mit. Bis einer von ihnen zu den ganz großen Stars gehört und Titel gewinnt, scheint wohl nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

Rob Cross beim Walk-on beim German Darts Grand Prix 2017

Sven Mandel / CC-BY-SA-4.0 (zur Quelle)

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